
Er ist voller Visionen, dynamisch dazu und kann auch zupacken. Sieht ganz so aus, als hätten die American Footballer der Leipzig Lions mit Edgar Schleinitz genau den richtigen Anführer gefunden. Vor drei Wochen wurde der 34-Jährige auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zum neuen Präsidenten gewählt. Ganz ohne Gegenstimme. Kein Wunder. Schließlich ist die Linebacker-Legende ein Lions-Urgestein.
„Ich habe kurz nach der Vereinsgründung vor 16 Jahren angefangen hier zu spielen", erzählt Schleinitz, der sich noch nicht ganz vom aktiven Dasein beim Regionalligisten verabschiedet hat. „Ich würde mich gern vom Spielfeld zurückziehen, um mich voll und ganz auf das neue Amt konzentrieren zu können. Aber wenn die Jungs mich brauchen, stehe ich weiterhin zur Verfügung."
Als Lenker des neuen Vorstandes jedenfalls hat er klare Vorstellungen: „In der nächsten Spielzeit peilen wir den Aufstieg in die zweite Liga an und innerhalb von fünf Jahren wollen wir in der Bundesliga sein." Zudem soll die Zuschauerzahl bis Ende der nächsten Saison auf 1000 steigen." Ein hehres Ziel, bedenkt man, dass zuletzt gerade einmal 200 Leute kamen. „Das Potenzial ist da, es muss nur koordiniert werden", glaubt Schleinitz.

Wichtigstes Puzzleteil im Plan ist die Kooperation der Footballer mit der Europäischen Wirtschafts- und Sprachenakademie (EWS) Leipzig. Dort werden künftig mehr als 20 Schülerinnen, die sich in verschiedenen Management-Berufen ausbilden lassen, Konzepte in den Bereichen Presse, Event und Marketing entwickeln, um diese mit den Lions umzusetzen. „Projekte wie dieses haben einen großen Anteil an der Ausbildung", sagt EWS-Schulleiter Wolfgang Meiler und Dozent Markus Wiese ergänzt: „Es geht darum, die Theorie anzuwenden und zu sehen, was geht und was nicht." Vor allem im Marketing sehe er noch viel Arbeitsbedarf.
Das weiß auch Schleinitz: „Natürlich können wir nicht zaubern, aber wir wollen viele neue Klein-Sponsoren gewinnen." Dass er auch in diesem Bereich nicht unbeleckt ist, zeigt sein Job im Management einer großen Fast-Food-Kette. Aber auch beim anderen Hobby neben der Löwen-Liebe hat das 1,80-m-Kraftpaket schon ein feines Gespür bewiesen. Als Teilhaber des Galoppclubs Leipzig war er am Verkauf des sechsjährigen Wallachs „Secret Affair" beteiligt, der 2007 als erstes hier trainiertes Pferd ein Rennen in seiner neuen Heimat Frankreich gewann und dafür satte 12 000 Euro Preisgeld brachte.
Noch nicht in ganz so trockenen Tüchern ist hingegen der Verbleib von Phil Hickey bei den Lions. Doch es sieht gut aus, dass der amerikanische Coach in der Ende April startenden Saison wieder an der Seitenlinie im Stadion an der Ratzelstraße stehen wird. „Wir planen mit ihm, müssen uns nur noch über die Finanzen einigen", ist Schleinitz optimistisch. Vielleicht kann eine Pferdewette das Problem lösen...
Quelle: LVZ
Autor: Thomas Haegeler
Bild: Leipzig Lions e.V.