
In der Nacht von Sonntag auf Montag verfiel Leo’s Brasserie am Brühl zu einem Anziehpunkt für viele Nachtschwärmer und nimmersatten Football-Fans. Der Super Bowl, das Endspiel der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL zwischen den Pittsburgh Steelers und Arizona Cardinals, lockte selbst spätnachts über 250 Gäste zum „Public Viewing“ in die Leipziger Innenstadt. Auch den Kommentatoren der ARD, bei der das Endspiel im deutschen Fernsehen live ab Mitternacht übertragen wurde, war Leipzig als Football-Party-Hochburg nicht entgangen.
Bevor allerdings der Kickoff im Leo’s über zwei Großbildleinwände flimmerte, wurden die Fans vom braunen Lederei mit einem unterhaltsamen Programm auf Endspiel-Stimmung getrimmt. Perfekt organisiert wurde der Super Bowl Abend von den StudentInnen der Europäischen Wirtschafts- und Sprachenakademie (EWS). Bei einer Football Party dürfen Cheerleader natürlich nicht fehlen. Den Auftakt gestalteten also die Tänzerinnen der Leipzig Lions in gewohnt meisterlicher Qualität.
Der eigentliche Austragungsort der Super Bowl, die Stadt Tampa in Florida ist bekannt für ihre karibische Atmosphäre. Dadurch inspiriert, orientierte sich auch der Aufbau des Abendprogrammes an Palmen, Strand und Sonnenschein. „Die Party war wirklich gut gemacht und hatte für Jeden etwas Interessantes dabei“, applaudierte Lions Head Coach Phil Hickey. Der gebürtige US-Amerikaner muss es wissen. Er war bei drei NFL Endspielen schon live im Stadion und organisierte im vergangenen Jahr in Berlin eine der größten Parties in Deutschland.
Nach den Cheerleadern durften beim anschließenden Limbo-Wettbewerb einmal die vielen jungen Männer zeigen, wie flexibel sie sind. Lions Team Kapitän Markus Patho war wie immer für jeden Spaß zu haben. Der Offense-Spieler bewieß enormes Durchhaltevermögen mit dem Hula-Hoop-Reifen, wie eine ebenso hohe Schlagkraft beim Kokosnuss-Öffnen.
In die heiße Phase ging es schließlich beim Curryfire-Wettessen kurz vor dem eigentlichen Football-Spielbeginn. Leipzigs neue Receiver-Hoffnung Jan Hilgenfeldt zeigte dabei den meisten Biss. Vielleicht war er auch nur am schmerzresistentesten gegenüber den ansteigenden Curry-Schärfegraden.
Jan's Tränen der Freude, teilten im Verlauf des Abends die Anhänger beider Endspiel-Teilnehmer. Die Steelers sind bekannt für ihre ausgeflippten, wenn auch treu ergebenen Fans. Die meisten Leipziger Symphatien vereinten sich allerdings auf die Cardinals, den erklärten Außenseiter der Partie.
Der sagenhafte Spielverlauf ist schnell zusammengefasst. Erst vor der Halbzeit konnten sich die Schwarzgelben aus Pittsburgh zum ersten Mal deutlich mit 17:7 absetzen dank eines 100-Yard Touchdowns ihrer Defense. Steelers-Fan Jens Hofmann war das von vornherein klar: „Die haben eben die beste Defense der Liga.“
Erst gegen Ende des Spiels schien den Stahlmännern die Luft auszugehen. Arizona kämpfte sich im Schlussviertel Punkt um Punkt zurück ins Spiel. 2:35 Minuten vor Ende hielt es auch Catherine Sharpe, die beliebte Universitätsdozentin aus Phoenix, nicht mehr auf den Plätzen aus: „Unbelievable!“. Die Cardinals übernahmen tatsächlich die Führung und sahen nur wenige Sekunden vor Schluss wie der sichere Sieger aus.
Doch der Football-Gott trug an diesem Abend einen Stahlhelm und so durften sich die Steelers und ihre treuen Anhänger 30 Sekunden vor Spielende über einen weiteren Touchdown zum 27:23-Sieg freuen. Der Rest der verbliebenen 50 Gäste im Leo’s freute sich um 4 Uhr Ortszeit höchstens noch über die verdiente Bettruhe. „Aber was für ein spannendes Spiel“, fand auch Lions Quarterback Achim Kunz, „da konnte man unmöglich müde werden.“