
Sonntag Probetraining und Super-Bowl-Party Selten lagen Selbsteinschätzung und Fremdwahrnehmung so nah beieinander wie bei Philip James Hickey. „Ich komme gut mit Menschen klar und sie deshalb auch mit mir“, sinniert der 43-jährige mit leichtem Ami-Akzent und einem charmanten Lächeln über seine Stärken. Keine Frage, der neue Headcoach der Regionalliga-Footballer der Leipzig Lions ist ein umgänglicher Typ und ein dicker Fang dazu.
Möglich wurde dieser jedoch erst durch die Pleite der NFL Europe und die Liquidation aller dort organisierten Mannschaften Ende der letzten Saison. „In den letzten vier Jahren war ich Operations Director bei Berlin Thunder. Das heißt Mädchen für alles“, erzählt Hickey. Daneben trainierte er die dänische Jugendnationalmannschaft und blickt auf eine gut 25-jährige Karriere als Spieler zurück (u. a. in Amsterdam, Den Haag, München). „Nach der Pleite brauchte ich eine neue Wirkungsstätte. Da kam der Anruf aus Leipzig genau richtig.“ Neben „grundsätzlicher Sympathie“ seien dann das langfristig orientierte Konzept sowie die guten Bedingungen im Umfeld entscheidend gewesen. Schließlich verfügen die Lions neben dem Football-Feld an der Ratzelstraße auch über die Möglichkeit, den Kunstrasenplatz des Hockeyclubs Lindenau-Grünau sowie die Nordanlage am Zentralstadion zu nutzen. „Davon kann mancher Bundesligist nur träumen“, meint der verheiratete Vater zweier Söhne.
Dass seine Frau Kimie (41), eine dänische Modedesignerin, mit den Kindern Connor (7) und Cole (5) nach wie vor in Berlin wohnt, sieht Hickey nicht als Problem. „Ich werde pendeln“, sagt er. „Bei zwei Trainingseinheiten in der Woche ist das machbar.“ Trotzdem will der neue Löwenbändiger in der im Mai beginnenden Spielzeit mit seinem Team hoch hinaus. „Mein erster Eindruck von den Jungs ist gut“, so der gelernte Quarterback, der anno 1993 mit den München Cowboys sogar Meister wurde. „Ich denke, der Aufstieg in die zweite Bundesliga sollte machbar sein.“
Um das zu schaffen, bildet Hickey zusammen mit dem bisherigen Trainerduo Jens Hofmann und Carsten Kunz sowie Fitnessexperte Gunar Geuß einen Coaching Staff nach amerikanischem Vorbild, wird vier bis sechs Wochen vor Saisonbeginn richtig ins Training einsteigen und zwei Testspiele absolvieren. Dabei will der Neu-Chef aber ganz auf deutsche Spieler setzen: „Es ist ein Irrglaube, dass nur mit amerikanischen Spielern attraktiver Sport und Zuschauer kommen.“
Um hiesige Talente zu finden, veranstalten die Lions mit Hickey am Sonntag ein öffentliches Probetraining (10 Uhr, Grube-Halle). Zur abendlichen Super-Bowl-Sause in Leo's Brasserie (ab 22 Uhr) kann er aber nicht bleiben. „Ich organisiere in Berlin eine Super-Sunday-Party für 1500 Leute in einem alten Kino“, lässt der seit 20 Jahren in Europa lebende Football-Fanatiker wissen. Sein Tipp: „So sehr ich den New England Patriots die perfekte Saison gönne. Mein Gefühl sagt, die Giants schaffen die Überraschung.“ Thomas Haegeler